100 Tage Papst Franziskus

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Armut – Teufel – Hl. Geist (oder: Ein Rückblick auf die ersten 100 Tage von Papst Franziskus)

 

War es für viele von uns anfangs ungewohnt, eine neue Person in der päpstlichen Soutane zu sehen, so ist Papst Franziskus mittlerweile nicht nur mental, sondern sogar in vielen Herzen angekommen. Freilich hat sich die mediale Anfangseuphorie wieder gelegt, was allerdings in der schnelllebigen Medienlandschaft nicht allzu sehr verwundert. Im Folgenden möchte ich die ersten 100 Tage des neuen Pontifikates Revue passieren lassen.

Armut, Teufel, Hl. Geist: sucht man nach ersten Grundlinien von Franziskus´ Botschaften, so halte ich diese drei Aspekte für wesentlich. Übrigens zieht sich die Beschäftigung mit drei Aspekten durch die Predigten des neuen Papstes. Während Papst emeritus Benedikt XVI. uns in seinen Predigten wunderbare Lehrstücke des Glaubens an die Hand gab, greift Franziskus stets drei Punkte auf, die er den Gläubigen dann in seiner oftmals typisch südamerikanisch-emotionalen Art auslegt.

 

Vom ersten Augenblick seines Pontifikates zeigte Franziskus, dass er ein Papst der Armen sein möchte (was nicht heißen soll, dass Benedikt das nicht gewesen wäre), ja er wird nicht müde, eine Kirche für die Armen einzufordern. Nur eine solche entspricht dem Geist Christi und kann auf Dauer attraktiv sein. Äußerlich zeigt Franziskus dies in seinen schlichten liturgischen Gewändern und im Verzicht auf manch repräsentative Zeichen des Papstamtes. In einem früheren Artikel betonte ich jedoch, dass das Tragen kostbarer Gewänder einer Kirche der Armen in keinster Weise entgegensteht. Ich darf hier auf frühere Newsletter verweisen.  Papst Franziskus meint mit Armut aber auch die geistliche Armut, die viele Teile der Welt, gerade die einst christlichen Länder des Abendlandes erfasst hat. Wie sein von ihm so verehrter Vorgänger betont er immer wieder, dass ein Leben ohne Gott eine Illusion ist, ja seit Franziskus scheint der Teufel gleichsam wieder auferstanden zu sein, sprach er doch in der ersten Predigt an die Kardinäle davon, dass derjenige zu Satan bete, der nicht zu Gott bete. Es ist doch erstaunlich, wie eindringlich ein Franziskus Dinge bisher ansprechen darf, für die ein Benedikt sofort von sämtlichen Medien gescholten worden wäre, besonders in seiner deutschen Heimat. Man darf gespannt sein, wann auch Franziskus die grausame Realität einholt…Überhaupt hat man den Eindruck, die Existenz des Teufels ist für Franziskus so gewiss wie die Existenz Gottes. In diesem Zusammenhang spricht er auch gerne vom Geist der Welt, der nicht der Geist Christi ist (Antithesen wie diese benutzt der neue Pontifex übrigens auch gerne) und vor dem sich die Christen hüten müssten, um nicht in dieser Welt aufzugehen. Wer ein bisschen das Geschehen in der Kirchenpolitik verfolgt, der wird sich an die Freiburger Rede von Benedikt XVI. erinnert fühlen, die wie eine Bombe gerade in Deutschland eingeschlagen hat, aber bis heute nicht verstanden worden ist bzw. nicht verstanden werden mag. Es ist der so sperrig erscheinende Begriff „Entweltlichung“, der beide Päpste miteinander verbindet.

 

Während Benedikt XVI. zumeist Jesus Christus in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen rückte, spricht Franziskus auffallend oft vom Hl. Geist. Das kommt nicht von ungefähr, steht die dritte göttliche Person doch u.a. für den Aspekt der Freiheit. Und letztere nimmt sich Papst Franziskus immer wieder gerne, um sich dem manchmal arg engen Korsett des Vatikans zu entledigen. So wird er bis auf Weiteres entgegen der Tradition im Gästehaus „Santa Marta“ wohnen bleiben. Aber zurück zum Hl. Geist: Er ist es, der frischen Wind in die Kirche bringt. Franziskus ermuntert uns neue Wege zu gehen, um die befreiende Botschaft Jesu in alle Welt zu bringen. Eine Kirche, die auf diesen neuen Wegen stolpert und hinfällt, ist ihm tausendmal lieber als eine Kirche, die sich verängstigt wie die Jünger vor dem Pfingstereignis in den eigenen Mauern einschließt. Doch muss man betonen, dass Franziskus entgegen der medialen Berichterstattung kein Revolutionär ist, der nun endlich im Vatikan aufräumt und den Glauben über Bord wirft. Nein, er setzt behutsam Reformen, wo diese dem Glauben der Menschen nützlich sind.

 

Mag sich Franziskus´ Stil auf den ersten Blick so eklatant von dem eines Benedikt unterscheiden, so wissen sich beide theologisch doch verbunden. Wie oben bereits erwähnt, kann es sich Franziskus – wohl aufgrund seiner Vorschusslorbeeren, die er von allen bekommen hat – noch leisten, den Glauben noch eindringlicher und radikaler zu verkünden als ein Benedikt, ohne gleich die Inquisition der Medien erleiden zu müssen. Wir wissen alle, dass diese Schonfrist bald vorbei sein wird bzw. spätestens dann, wenn wir begreifen, dass Franziskus eben kein linker Sozialrevoluzzer ist, wie er gerne von eher kirchenferneren Kreisen gesehen werden möchte.

Natürlich hat er in seinem noch kurzen Pontifikat wenig personelle Änderungen vorgenommen, aber das tat Benedikt auch nicht. Gut Ding braucht eben doch Weile und die Mühlen Gottes mahlen bekanntlich langsamer, aber doch trefflich fein. Es ist wohl für viele, die mit der Seele und mit dem Herzen immer noch an Benedikt hängen, ein Trost, dass mit Franziskus ein Mann auf den Stuhl Petri erhoben wurde, der Benedikts Erbe bereitwillig fortsetzen möchte. Daher rufen wir Papst Franziskus zu: ad multos annos!

 

Markus Bauer

Autor bei Pro Papa News

 

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 05. September 2013 um 08:04 Uhr

Geschrieben von: sbb

Donnerstag, den 20. Juni 2013 um 19:14 Uhr