Ansprache von Michael Hesemann - München, 7. Mai 2011

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Michael Hesemann während der Kundgebung am 07.05. in MünchenLiebe Freunde,


keine fünf Jahre sind es her, dass hier in München Papst Benedikt zu uns allen sprach, als er seine bayerische Heimat besuchte. Das waren doch Tage, an denen wir echte Freude an unserem katholischen Glauben verspürten, eine Gemeinschaft mit gläubigen Menschen aus ganz Bayern, ja sogar aus Preußen, mit denen wir uns versammelt haben, nicht nur um den Worten des Heiligen Vaters zu lauschen, sondern, vor allem, um Christus zu begegnen, der mitten unter uns war und ist.


An diesen Tagen war München nicht nur die nördlichste Stadt Italiens, München war Rom, das Zentrum der Weltkirche, denn wo Petrus ist, da ist die Kirche, wie der heilige Augustinus sagte, und da ist Gott.


Doch was ist seitdem geschehen, dass diese Freude am Glauben vielen unserer Mitchristen abhanden kam, dass die Begeisterung für den deutschen Papst, die damals auch die Medienlandschaft erfasste, bei vielen erlosch?


Lag es am Papst, hat er Fehler gemacht? Schnell wird dann auf die Affäre Williamson verwiesen oder die schlimmen Fälle von Missbrauch durch katholische Priester. Und ebenso schnell wird vergessen, was wirklich war: Dass er nie einen Herrn Williamson rehabilitierte, wie in den Medien oft stand, sondern nur der Gruppe, der er angehörte, der Piusbruderschaft, die Hand zur Versöhnung reichte, ganz wie es ein guter Hirte mit verlorenen Schafen handhaben sollte. Und dass er es war, der bei Missbrauch hart durchgriff, lange bevor das Problem in den deutschen Medien ein Thema wurde. Denn eben das wollen ja die Kritiker nicht wahrhaben: Ein Priester, der auf diesem Gebiet schuldig wird, verrät seinen Glauben, verrät seine Kirche, hat sein Gelübde der Keuschheit gebrochen. Schon deshalb ist es falsch, von einer Schuld der Kirche zu reden, wo es doch die Schuld Einzelner ist, ihr innerer Bruch mit der Kirche, der ihr Vergehen bedeutet.


Nein, liebe Freunde, wir können doch Gott dankbar sein für unseren Papst Benedikt, gerade weil es ihm gelingt, die Botschaft des Evangeliums, die Botschaft Christi, in die Sprache der Gegenwart zu übertragen, in einer Klarheit und Schönheit, die beeindruckt. Der aber auch erkennt, woran unsere Gegenwart krankt: Nämlich am Fehlen dieser Klarheit und Schönheit, an der Aufgabe der Wahrheit, an einer Fehlorientierung, die er Beliebigkeit, „Relativismus“, nennt. Sie ist die wahre Krise unserer Zeit, die Ursache aller Krisen unserer Gesellschaft.


Wenn der Mensch keine Werte hat, dann ist er verloren. Dann treibt er ohne Ziel und Orientierung durch das Leben. Bei einem Individuum ist das nur traurig, bei einer Gesellschaft eine Katastrophe. Sie kennt keine gemeinsame Richtung und keine gemeinsame Verantwortung füreinander und miteinander, keine Solidarität. Jeder einzelne lebt dann nur noch seine Gier aus, um jeden Preis. Was ihm im Wege steht, wird weggedrückt: Der Schwächere, der Mitmensch. Die Achtung vor dem Leben und vor der Schöpfung schwindet. Und damit auch unsere Zukunft. Da wird der Mensch ohne Werte schnell zum Unmenschen.

 

Dem, liebe Freunde, steht das Christentum entgegen, dessen Symbol, das Kreuz, für das Miteinander steht wie das Plus in der Mathematik. Es ist das große Plus in unserem Leben. Wir wissen, dass einer sich für uns aufgeopfert hat und wir werden aufgerufen, für einander einzustehen, ob in der Familie, der Kirche oder der Gesellschaft. Wer an Gott glaubt, der ist nicht allein, sagte uns damals Benedikt XVI.

 

Wenn wir diese Gemeinschaft in und mit Christus wiederentdecken, dann finden wir die Freude auch wieder, die wir damals auf seiner Bayernreise oder auch am letzten Wochenende bei der Seligsprechung Johannes Pauls II. in Rom spürten und sahen in den Gesichtern der vielen Hunderttausend Besucher, diese Freude am Glauben. Wir können sie jeden Tag in unserem Leben finden, wenn wir das wiederentdecken, was unseren Glauben ausmacht: Gemeinschaft im Großen wie im Kleinen, in Kirche, Gesellschaft und Familie.

 

Wir Christen sind eine Gemeinschaft, die größte der Welt. Wir müssen unsere Einheit wiederfinden, denn sie ist unsere Stärke. Und deshalb sollten wir all dem widerstehen, was dieser Einheit im Wege steht. Denn Gott vereint - nur der, der gegen Gott ist, spaltet!

 

Lasst uns also gemeinsam gerade heute, an diesem Sühnesamstag im Marienmonat Mai, unser christliches Europa wiederentdecken, die Werte, auf denen unser schönes Bayern, unser Land und unsere Kultur aufgebaut sind: Gemeinsam, als Familie, als Kirche, mit dem Heiligen Vater und mit unseren Bischöfen und Priestern. Wir brauchen keine Memoranden und Rebellen, wir brauchen keine Reformen, die nur verwässern, woran wir glauben und was wir lieben: Unsere heilige römisch- katholische Kirche in Gemeinschaft und in treuer Verbundenheit mit unserem Papst! Wir brauchen ihn, wie eine Familie einen Vater braucht und wir lieben ihn, wie man einen Vater liebt!

 

Zeigen wir ihm unsere Liebe und Verbundenheit, nicht nur hier und jetzt in München, sondern vor allem dann, wenn er uns braucht, im September, wenn er in das Land der „Saupreißn“, in die Bundeshauptstadt Berlin kommt. Bereiten wir uns also jetzt schon darauf vor, ihn dort zu begrüßen, als Katholiken, als Bayern, als Menschen seiner Heimat und überlassen wir nicht den wenigen aber lautstarken Gegnern unseres Glaubens das Feld. Dazu möchte ich Sie alle ganz herzlich einladen.

 

Gott segne das schöne Land der Bayern, Gott segne Kardinal Marx und Gott segne unseren Papst Benedikt!

 

Viva il Papa!

 

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 11. Mai 2011 um 23:42 Uhr

Geschrieben von: Administrator

Mittwoch, den 11. Mai 2011 um 23:32 Uhr